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Die erste Geschäftsreise nach der Geburt
Herzlich Willkommen zur ersten Geschäftsreise nach Robins Geburt. Er ist jetzt 3,5 Monate alt. Auf dem Plan steht eine insgesamt 4-tägige Reise ins Landesinnere. Bei einem Kunden werden wir einen Tag lang unsere Produkte ausstellen und verschiedene Seminare abhalten. Mit auf der Reise sind Frank und Robin. Diesen Luxus kann sich kaum eine frisch gebackene, voll berufstätige Mutter leisten. Hier werden die glücklichen Umstände deutlich, dass Frank Hausmann ist und in China im Hotel pro Zimmer und nicht pro Person bezahlt wird. Aus diesen beiden Gründen und weil ich unbedingt so lange wie möglich stillen will, habe ich meinen Chef gebeten mit Familie im Schlepptau reisen zu dürfen.
Die Kolleginnen sind begeistert. Auf der 7-stündigen Zug- und Busreise nehmen sie uns den kleinen Bengel nur zu gerne ab. Wie so oft auf Reisen habe ich wieder Kopfschmerzen und bin ausgesprochen froh über ihre Begeisterung. Die dreistündige Busfahrt geht durch die Nacht über Holperstraßen. Ich sitze direkt hinter dem Busfahrer mit Robin auf dem Schoß. Einmal bremst er so stark, dass ich bzw. wir nach vorne fallen und meine Hand kräftig gegen Franks Kinn schlägt. Im Vorbeifahren erkenne ich noch den Fahrradfahrer, der ohne Licht mitten auf der breiten Landstraße fährt.
Im Hotel ist mein Abend sehr kurz. Ich lege mich sofort hin und bitte Frank sich weiter um Robin zu kümmern. Ein Kollege wollte uns einen Gefallen machen und hat uns eine Suite mit Schlaf- und Wohnzimmer gemietet. Ich bin ihm nach dem ersten Schreck sehr dankbar dafür. Frank schlägt seinen Abend mit Robin um die Ohren und ich kann in Ruhe den Schlaf nachholen, den ich die letzten Abende mit der Vorbereitung verbracht habe.
Am nächsten Morgen läuft es typisch chinesisch. Wir kommen beim Kunden an und stellen fest, dass nichts gemacht ist. Eine Firma hätte uns die Ausstellungswände und Produkte aufstellen sollen, aber sie sind noch nicht einmal angekommen. Alles steht in Kisten verpackt in der großen Eingangshalle. Schwer vorstellbar, dass das alles bis zum Mittag aufgestellt sein soll. Wir gehen wieder zurück.. Am Schreibtisch im Hotelzimmer arbeitend freue ich mich zwar über den geschenkten Morgen, schüttle aber wie schon einmal letztes Jahr den Kopf über das Geschehene. Mittags erhalte ich den Anruf, dass wir vermutlich erst nachmittags zurück zum Kunden müssen. Nachmittags wird die Abfahrt auf Abends verschoben. Abends heißt es, dass es eventuell spät werden würde und um 10 Uhr erhalte ich einen weiteren Anruf, dass wir erst morgens in aller Frühe zum letzten Check aufbrechen.
Nach dem Frühstück erfahre ich, dass die engagierte Firma erst nachmittags kam und bis morgens um 6 Uhr gearbeitet hatte. Dafür sieht die Halle jetzt sehr gut aus. Wieder bin ich erstaunt darüber, was die Chinesen trotz des Chaos in so kurzer Zeit leisten können.
Die Ausstellung läuft hervorragend. Alle 3 Stunden mache ich mich aus dem Staub und fahre zum Stillen zurück in das nah gelegene Hotel. Im Laufe des Tages erlebe ich mehrmals, dass sich einige junge Ingenieure mehr für die ebenso junge Ausländerin interessieren, als für ihre Produkte. Der Vorgesetzte meiner Kollegen lacht, als er miterlebt, wie mich ein Chinese um ein gemeinsames Bild bittet. Ich laufe rot an und lächle brav in die Kamera. Eine Weile später werde ich nach einer kurzen Einleitung über eines unserer Produkte in ein Gespräch über Gott und die Welt verwickelt. Der gleiche junge Herr schickt mir später eine SMS (wie praktisch doch Visitenkarten sind) und lädt mich zum Essen ein. In dem Moment bin ich jedoch dabei Robin zu stillen.
Nach diesen Erlebnissen komme ich nicht darum herum mich über meinen Chef zu wundern. War ihm das bewusst, als er mich nach China schickte? Ist es nun förderlich fürs Geschäft, oder lenkt es eher ab? Als ich am nächsten Tag eine Einladung zu weiteren Gesprächen bekomme, bin ich mir fast sicher, dass die junge, chinesisch sprechende Westlerin kein schlechter Werbeträger ist.
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Heute hat ein Mitarbeiter in der Firma mit neugierigem Blick meinen Bauch berührt als ich – mit der Milchpumpe in der Hand! – in “mein Abpumpkämmerchen” gegangen bin. Er hatte wohl gehofft ein Geheimnis zu lüften und schaute daher etwas verdattert drein als ich sagte: “Ich habe gerade erst eins bekommen”. Ich musste schmunzeln. Es ist deutlich netter als das was ich kurz nach Robins Geburt einmal gesagt bekommen hatte (Wieso bist du denn noch so dick? Hast du da noch eins drin?). So etwas kommt davon, dass man in China junge Mütter kaum aus dem Haus gehen sieht. Viele Chinesen waren damals auch erstaunt wie klein Robin war.
Es ist der Wahnsinn. Wir leben hier doch wirklich wie im Schlaraffenland. Morgen kommt Obama und keiner traut sich nach Baden-Baden aus Angst nicht mehr nach Hause zu kommen und nächste Woche ist ein Feiertag. Und übernächste Woche auch! Bislang hatte ich das chinesische Prinzip alle Feiertage auf zwei Wochen zu verteilen nicht schlecht gefunden, aber mir war dabei gar nicht aufgefallen, dass es so ja viel besser ist. Ständig haben wir irgendwelche Feiertage. Fast jeden Monat. Diese Tage haben ihren Namen wirklich verdient! Und dann gibt es auch noch Urlaubstage. In China sind das ab dem zweiten Jahr das man beim selben Arbeitgeber beschäftigt ist nur 10 Tage. Davon verbringen sie durchschnittlich 4 Tage im Zug oder Bus um in die Heimatstadt zu gelangen. Jammern dürften wir daher eigentlich nur, weil die 28 Tage plus Feiertage unsere Wettbewerbsfähigkeit senken. Wen das nicht stört, der sei häppiiiiiii!!!!! Vergessen sei mal für eine Sekunde die Wirtschaftskrise und wir geniesen den Frühling und die aufkommenden Feiertage.